- AMC ist ein Clean Room: Es verknüpft Amazon-Werbedaten mit Ihren eigenen Daten, liefert aber nur aggregierte Ergebnisse.
- Am nützlichsten sind Analysen zu Conversion-Pfaden, Überschneidungen zwischen Kampagnen, Frequenz und Neukunden der Marke.
- Aus den Abfragen lassen sich Zielgruppen erstellen, die in der DSP und in Sponsored Ads nutzbar sind.
- Sinnvoll ist AMC, wenn das Werbebudget auf mehrere Formate verteilt ist und jemand die Daten richtig lesen kann.
Die Standardberichte von Amazon Ads zeigen, wie viel jede Kampagne verkauft hat, aber nicht, wie die Kampagnen zusammenwirken. Genau diese Frage beantwortet Amazon Marketing Cloud (AMC). Hier erfahren Sie, was sich tatsächlich analysieren lässt, welche Zielgruppen Sie bauen können und welche Grenzen Sie vor dem Start kennen sollten.
Was ist Amazon Marketing Cloud?
AMC ist ein Clean Room: eine geschützte Umgebung, in der Amazon Werbeereignisse (Impressionen, Klicks) und Kaufereignisse auf Ebene einzelner, pseudonymisierter Nutzer bereitstellt. Den einzelnen Nutzer sehen Sie nie. Sie schreiben eine Abfrage, AMC führt sie auf den Rohdaten aus und gibt Ihnen nur das aggregierte Ergebnis zurück.
Die Abfragen werden in SQL geschrieben. Wer kein SQL nutzt, findet bei Amazon Beispielabfragen (die sogenannten Instructional Queries) und seit den letzten Updates auch No-Code-Vorlagen sowie einen Assistenten, der beim Aufbau der Analysen hilft. Seit 2025 können Sponsored-Ads-Werbetreibende AMC selbst in der Werbekonsole aktivieren, auch in den wichtigsten europäischen Ländern wie Deutschland, ohne Umweg über einen Amazon-Ansprechpartner.
In AMC fließen die Daten aus Sponsored Products, Sponsored Brands, Sponsored Display und Amazon DSP sowie die Conversion-Ereignisse auf Amazon. Auch eigene Daten (zum Beispiel aus dem eigenen Onlineshop) lassen sich hochladen, ebenfalls in geschützter Form.
Analysen, die sich lohnen
AMC kann vieles. In unseren Projekten sind es vor allem diese Fragen, die zu konkreten Entscheidungen führen.
Conversion-Pfade
Welche Kombinationen von Touchpoints gehen einem Kauf voraus? Zum Beispiel: Wie viele Kunden haben eine DSP-Anzeige gesehen, dann nach der Marke gesucht und anschließend auf eine Sponsored-Brands-Anzeige geklickt, bevor sie gekauft haben? Das zeigt, welche Rolle Upper-Funnel-Formate spielen, die in den Standardberichten oft ineffizient wirken, weil sie selten den letzten Klick bekommen.
Überschneidung zwischen Kanälen
Wie viele Nutzer haben sowohl Sponsored Products als auch die DSP gesehen? Konvertieren sie anders als Nutzer, die nur eines von beiden gesehen haben? Wenn die kombinierte Ansprache deutlich besser konvertiert, spricht das dafür, Budgets und Zielgruppen abzustimmen.
Neukunden der Marke
New-to-Brand-Kennzahlen gibt es bereits in den Berichten, aber AMC verknüpft sie mit Zeitpunkten, Formaten und Produkten. So sehen Sie, welche Kampagnen wirklich neue Kunden bringen und welche vor allem Käufer einsammeln, die ohnehin gekauft hätten.
Frequenz
Wie viele Kontakte braucht es, bis die Kaufwahrscheinlichkeit nicht mehr steigt? Mit dieser Analyse setzen Sie sinnvollere Frequency Caps in der DSP und geben kein Geld mehr für bereits gesättigte Nutzer aus.
Zeit bis zur Conversion
Wie viele Tage liegen zwischen dem ersten Werbekontakt und dem Kauf? Bei hochpreisigen Produkten oder Wiederkaufartikeln verändert die Antwort, wie Sie die Ergebnisse einer Kampagne in der ersten Woche bewerten.
Zielgruppen für DSP und Sponsored Ads
AMC dient nicht nur der Auswertung. Die Logik der Abfragen lässt sich in Zielgruppen übersetzen, die Sie aktivieren können. Einige praktische Beispiele:
- Nutzer, die in den letzten 30 Tagen etwas in den Einkaufswagen gelegt, aber nicht gekauft haben;
- Kunden, die ein Verbrauchsprodukt gekauft haben und kurz vor dem Wiederkauf stehen;
- Nutzer, die ein Video gesehen, die Produktseite aber nie besucht haben;
- ähnliche Zielgruppen (Lookalikes) zu Kunden, die mehrfach gekauft haben.
Diese Zielgruppen nutzen Sie in der DSP als Targeting, in Sponsored Display als Targeting und bei Sponsored Products und Sponsored Brands als Grundlage, um die Gebote für diese Nutzer zu erhöhen. Hier hört AMC auf, eine reine Analyseübung zu sein, und beginnt, sich auf das Budget auszuwirken.
Was AMC nicht kann
Es gibt klare Grenzen, und wer sie kennt, erwartet nicht zu viel.
| Erwartung | Was tatsächlich passiert |
|---|---|
| Einzelne Kunden sehen | Unmöglich. Die Ergebnisse sind immer aggregiert, und unterhalb einer Mindestanzahl von Nutzern werden Zeilen ausgeblendet. |
| Sehr kleine Produkte oder Segmente analysieren | Bei wenigen Nutzern pro Zeile fallen viele Daten durch die Aggregationsschwellen weg. Besser zusammenfassen. |
| Unbegrenzte Historie | Die verfügbare Historie hat ein von Amazon festgelegtes Zeitfenster. Prüfen Sie es in Ihrer Instanz, bevor Sie lange Analysen planen. |
| Echtzeitdaten | Zwischen Ereignis und Datenverfügbarkeit liegt eine Verzögerung. AMC ersetzt keine Tagesberichte. |
| Daten von Wettbewerbern sehen | Nein. AMC enthält nur Ereignisse zu Ihren eigenen Kampagnen und Produkten. |
| Antworten ohne Fragen | AMC liefert von sich aus keine Insights. Ohne klare Hypothese bekommen Sie Tabellen, keine Entscheidungen. |
Dazu kommt eine praktische Grenze: Schlecht geschriebene Abfragen liefern plausible, aber falsche Zahlen. Ein Fehler im Zeitfenster oder in der Attribution verändert die Schlussfolgerungen. Es braucht jemanden, der die Ergebnisse mit gesundem Menschenverstand und mit den Standardberichten gegenprüft.
Für wen sich AMC lohnt
AMC ist sinnvoll, wenn genug Daten und genug Formate zum Vergleichen vorhanden sind. In der Regel lohnt es sich, wenn Sie:
- in mehrere Formate investieren (mindestens Sponsored Products und Sponsored Brands, besser auch Display oder DSP);
- genug Volumen haben, damit die Aggregationsschwellen die Ergebnisse nicht leeren;
- konkrete Fragen zu Budget und Rolle der Kanäle haben, nicht nur Neugier;
- eine interne Person oder einen Partner haben, der Abfragen schreiben und prüfen kann (genau das machen wir in Projekten zur Analyse mit Amazon Marketing Cloud).
Wenn Sie dagegen nur Sponsored Products für wenige Produkte schalten, liegt der größte Hebel weiterhin in der Kampagnenstruktur und den Basisberichten. AMC kommt später, wenn das Bild breiter wird.
So starten Sie, ohne sich zu verzetteln
Am wirksamsten ist es, mit einer einzigen Geschäftsfrage zu beginnen, nicht mit einer Liste von Abfragen. Ein Vorgehen, das funktioniert:
- Wählen Sie eine anstehende Entscheidung, zum Beispiel ob Sie das DSP-Budget erhöhen oder zu Sponsored Brands verschieben.
- Übersetzen Sie die Entscheidung in eine messbare Frage: Konvertieren DSP-Kontakte besser, wenn sie auch Sponsored Brands sehen?
- Nutzen Sie zuerst die Beispielabfragen und passen Sie sie an, statt bei null anzufangen.
- Gleichen Sie die Summen mit den Berichten der Konsole ab. Weichen sie stark ab, steckt irgendwo ein Fehler.
- Machen Sie aus dem Ergebnis eine Maßnahme: eine Zielgruppe, einen Frequency Cap, eine Budgetverschiebung.
- Wiederholen Sie dieselbe Analyse nach einigen Wochen, um zu sehen, ob die Entscheidung gewirkt hat.
Beispiel: Eine Marke mit DSP und Sponsored Products stellt fest, dass Nutzer, die beides gesehen haben, deutlich häufiger konvertieren als Nutzer mit nur einem Kontaktpunkt. Die logische Entscheidung kann sein, eine Zielgruppe aus DSP-Kontakten zu bilden und die Sponsored-Products-Gebote für diese Nutzer zu erhöhen. Das Ergebnis muss danach überprüft und nicht als gegeben angenommen werden.
Was Sie jetzt tun können
Prüfen Sie, ob AMC in Ihrer Werbekonsole bereits aktiv ist, und sehen Sie sich die verfügbaren Beispielabfragen an. Notieren Sie zwei oder drei Fragen zu Ihrer Werbung, die Sie mit den Standardberichten heute nicht beantworten können. Betrifft mindestens eine davon das Zusammenspiel verschiedener Formate oder den Kundenwert über die Zeit, ist AMC das richtige Werkzeug dafür.
Häufige Fragen
Ist Amazon Marketing Cloud kostenpflichtig?
Für berechtigte Werbetreibende ist der Zugang zu AMC ohne Grundgebühr möglich, er wird in der Werbekonsole aktiviert. Für einige zusätzliche Daten oder Funktionen können andere Bedingungen gelten, prüfen Sie das daher in Ihrer Konsole. Die eigentlichen Kosten sind die Zeit der Person, die die Abfragen schreibt und auswertet.
Braucht man SQL-Kenntnisse, um mit AMC zu arbeiten?
Für einfache Analysen nicht: Es gibt Beispielabfragen und No-Code-Vorlagen. Für individuelle Analysen und um die Richtigkeit der Ergebnisse zu prüfen, machen SQL-Kenntnisse aber einen großen Unterschied. Viele Marken geben diesen Teil an einen Partner ab.
Funktioniert AMC auch für Vendoren?
Ja. AMC arbeitet mit Werbedaten und Kaufereignissen auf Amazon, unabhängig davon, ob die Marke als Seller oder als Vendor verkauft. Entscheidend ist das Datenvolumen der Kampagnen, nicht das Verkaufsmodell.